Wie ich von Spotify zu Tidal wechselte

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Dieser Artikel behandelt meine Erfahrungen vom Wechsel von Spotify zu Tidal, einem weiteren Musik-Streaming-Dienst. Wer sich dafür interessiert, warum ich gewechselt habe, klickt auf den folgenden Link:

Tidal ist ein Musik-Streaming Service, der 2014 von einem norwegisch-schwedischen Unternehmen gegründet wurde, dann von Jay-Z übernommen wurde, der sich dann bei einer weiteren Übernahme in den Verwaltungsrat der Firma Square gesetzt hat. Square ist ein Bezahldienst von Jack Dorsey, dem auch Twitter gehört. Genauere Details hat Wikipedia.

Meine spontane Wahl für Tidal waren drei Dinge:

  • Es hat zumindest teilweise eine “musikalische Historie” bzw. einen an Musik & Künstlern interessierten Besitzer
  • Es hat den (selbsternannten) Anspruch, qualitativ höherwerte Klangqualität zu haben
  • Es zahlt mehr an die gehörten Künstler

All diese Informationen habe ich mehr oder weniger schnell herausbekommen, genaue Quellen habe ich nicht und vielleicht isses auch alles nur Schlangenöl. Dennoch schnell die App runtergeladen, Account erstellt und den ersten Unterschied festgestellt. Tidal hat keine kostenlosen Accounts. Der Basis-Preis und auch das Familien-Abo sind gleichauf zu Spotify und das ist für mich in Ordnung. Es gibt aktuell einen Testmonat, dennoch muss man seine Zahlungsdaten direkt zu Beginn preisgeben. Tidal bietet weitere Abos an, aber bereits im Basis-Abo hat man Zugriff auf “HIFI” Musik, die mit FLAC arbeiten.

Auf zum ersten Test:

Katalog der Musik.

Tidal verweist direkt auf zwei Dienste, die es ermöglichen, automatisiert Titel, Künstler und Playlisten zu übertragen. Ich habe mich für TuneMyMusic entschieden. Der Dienst kostet Geld, sobald man mehr als 500 Items (ein Song, ein Künstler, …) übertragen will. Netterweise kann man einen Test-Account erstellen und erstmal schauen, was da so passiert und ich hatte ca. 5000 Einträge in meinem Spotify Account (alleine mehr als 400 Künstler). Deshalb habe ich mich dann für einen “Monatsaccount” für einmalige 4,50$ entschieden, damit ich direkt nach dem Umzug kündigen kann und das Thema erledigt ist.

Als nächstes wurde der Zugriff auf meinen Spotify Account erlaubt, dann auf meinen Tidal Account und ich konnte auswählen, was übertragen werden soll. Ich will alles, außer individuelle Lieblingssongs, weil Spotify in der Vergangenheit automatisch beim Herzen eines Albums, alle enthaltenen Songs auch als Favoriten markiert hat. Und schon gehts los und ich sehen einen Fortschrittsbalken, der schon ne halbe Stunde braucht, um alles rüberzupusten.

Nebenbei sehe ich in der Tidal App auf dem Telefon die Künstler erscheinen, klappt also alles prima. Am Ende erhalte ich eine Auflistung aller Tracks und Künstler, die den Umzug nicht überlebt haben als CSV.

CSV Datei runtergeladen, kurz überflogen und im großen und ganzen ist (fast) alles da. Entweder gab es diese Version nicht, das Album nicht, den Künstler nicht. Für meine Sammlung waren das vielleicht 20 Platten, aber mehr als die Hälfte dieser 20 Platten konnte ich durch eine manuelle Suche in Tidal aufstöbern und nachtragen.

Einige deutsche Künstler wie Pendikel oder Wilson Jr fehlen, auch bei der Kindermusik fehlt einiges. Ach und natürlich gibt es Lücken in den von Spotify kuratierten Playlisten. Ersteres schmerzt etwas, letzteres ist mir egal… ich höre die LoFi Beat to chill to nur zum Abschalten bei der Arbeit, und da ist mir der einzelne Song egal, sondern eher die Stimmung wichtig.

Was die fehlenden Künstler oder Songs angeht: Mein Use-Case ist folgender: Ich habe ne anständige CD Sammlung, die weiterhin wächst und ich unterstütze durch digitale Käufe bei Bandcamp. Wenn nun jemand bei Tidal fehlt, habe ich die Musik bereits in meiner Sammlung und kaufe nach. Auf dem Handy wechseln sich Poweramp feat. 200 GB SD Karte mit Tidal ab.

Benutzbarkeit der App

Tidal läuft rund auf dem Handy, es gibt eine Desktop Version für Windows und eine Web-Version, falls man bei der Arbeit keine Programme installieren kann. Fühlt sich alles gut an, vieles ähnelt Spotify, also fühlt man sich gleich zuhause. Songs können mit einem Herz versehen werden, Alben und Songs können lokal gespeichert werden und ich kann mich von Künstler zu Künstler hangeln, um neue Musik zu entdecken.

Features, die man nicht vermissen muss:

  • Suche nach Künstler oder Song
  • News Feed zu neuen Veröffentlichungen
  • Ansicht der aktuellen Wiedergabeliste
  • Künstler, Songs, Alben “liken”
  • Dynamische Mix-Playlisten basierend auf eurem Hörverhalten

Features, die ich bei Spotify vermisst habe

  • Anständiges Bearbeiten der Playlisten (Songs sortieren, Playlisten in Ordner organisieren, …)
  • Wenn ich mit meinen dicken Fingern auf Album und Künstler tipps, bekomme ich ein Menü, ob ich zum Künster oder zum Album gehen will – BOOM!

Features, die ich bei Tidal vermisse

  • Eine akkurate History meiner Songs (hat Spotify auch erst vor einiger Zeit eingeführt, aber es fehlt mir schon)
  • Das Einbetten von Playlisten und Teilen (das geht bei Tidal auch, aber wer kein Tidal hat, kann nix hören)

Tidal hat (wie Spotify) eine Last.FM Integration, damit könnte man das Problem lösen… wäre das dritte Mal, dass ich mich da wieder anmelde…

Die App fühlt sich für mich ein Tacken aufgeräumter an, ich finde mich schneller zurecht und Tidal trennt (anders als Spotify) Playlisten (eine statische Liste von Liedern) von “Mixe & Radio” (eine dynamische Liste basierend auf einen Künstler, Song oder Stimmung). Diese Idee ist großartig, ich fand das bei Spotify immer nervig. Auch toll (andere werden es hassen): Tidal schlägt mir nicht immer und laut neues Zeug vor! Hier ein Podcast! Hier ein Künstler! Das ist alles eher dezent. Und ich habe das Gefühl, dass die mir vorgeschlagenen Titel mehr zu mir passen.

Tidal konzentriert sich auf Musik und Musiker. Und das macht es gut. Als Bonus gibt es eine Musikvideo-Ecke, die ganz nett ist und auch etliche Hörbücher, aber das ist weit weg von dem Angebot von Spotify. Ne anständige Funktion, Hörbücher zu hören, sucht man auch hier vergebens.

Die Musikqualität

Kennt ihr noch dieses Zischeln aus den 2000ern? Ihr wisst schon, diese fies klingenden Gitarren von der Boy Sets Fire Scheibe, die ihr in 128 kBit gerippt habt? Gilt auch für Hi-Hats und Becken… das höre ich manchmal noch bei Spotify. Bisher bei Tidal (noch) nicht. Im Direktvergleich kann ich wenig Unterschiede ausmachen (Ich erinnere: Constantin hat ein schlechtes Gehör) aber mein Gefühl sagt mir, dass es weniger zischelt, .. aber definitiv auch nicht mehr. Hier beschreibt Tidal, was es liefert.

Andersherum habe ich nun viel öfter kleine Aussetzer, wenn ich in der Ecke der Wohnung bin, wo das WLAN nicht so gut ist. Kann am Caching-Algorithmus von Spotify liegen, wird aber auch an der höheren Bitrate liegen. Who knows, take what you think about it.

Zusammenfassung

Mir gefällt Tidal. Die Auswahl des Katalogs ist ähnlich groß, dass es mich wenig stört, dass der ein oder andere fehlt. Das gleiche ich mit Käufen bei Bandcamp oder im Plattenladen meines Vertrauens wieder aus. Die App reagiert flott, spielt die Songs anständig ab und ich kann schnell navigieren. Playlisten lassen sich leicht verwalten und auch teilen. Es gibt viele Musikvideos (MTV Blast from the past) und der Algorithmus im Hintergrund hat mir in der kurzen Zeit bereits zwei neue tolle Bands beschert. Die Mixe zu unterschiedlichen Stimmungen finde ich besser kuratiert und sie wirken mehr wie aus einem Guss. Und wenn ich durch den Wechsel auch noch weniger interne Werbung (“Hier, hör diesen Podcast, jetzt!”), vermeintlich bessere Vergütung für die Künstler und aktiv ein Zeichen gegen Schwurbel-Joe setzen kann, dann gerne. Kommt doch auch mit!

Wer die App mal gesehen haben will, schaut bei Hifi.de vorbei, da gibts einen Test von Ende 2020 mit vielen Bildern.